Gehen ein Linker und ein Rechter in eine Bar…

Lyrik und Prosa
Photo by Álvaro Serrano on Unsplash

Das war leider schon der ganze Witz.

Heute geht ein Linker in eine Bar voller Linker und der Rechte wird an der Tür aufgehalten oder später rausgeworfen, wenn er sich als solcher entpuppt. Auch mögen beide sich vor 8 Jahren noch persönlich gekannt haben, der Linke fühlt sich aber schon seit längerer Zeit dazu verpflichtet, mit dem problematischen Rechten nichts mehr zu tun zu haben – die einzige Verpflichtung, die er verspürt, wohlgemerkt.

Der Rechte wollte den Linken immer mit Argumenten überzeugen, aber der Linke hatte seine Überzeugung angenommen, um gerade nicht argumentieren zu müssen. Der Rechte hatte noch Bedenken, ob man richtig liege, während der Linke genau wusste, wie selig es macht, diese abzulegen. Der Rechte blieb dabei, dass Gut und Böse nicht immer so leicht zu erkennen sei, da hatte der Linke schon den Verdacht, dass der Rechte böse sein könnte.

Sie grüßen sich nun nicht mehr auf der Straße. Man lebt sich eben auseinander. Und abends guckt der Linke die tagesschau, rollt sich anschließend auf die Seite und träumt von einer heilen Welt.

Der Rechte poliert seine Waffen, während er den Rundfunkbeitrag überweist, und mit einer Träne im Auge blickt er aus dem Fenster, wo die Nachbarschaft brennt, und sagt: »Pass mir auf, dass du nicht zu weit gehst, linker Freund.«

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