Paul Verlaine: Wehmut


 Ich bin das Reich, das am Verfallsabschluss verblasst,
 Und seh vorüberziehn die Horden, wild und licht,
 Indem ich meine trägen Leistenverse dicht‘
 In goldnem Stil, worin sich malt der Wehmut Glast.

 Der Eremit, vor Überdruss von Schmerz erfasst, 
 Ihm ist, als tobe noch dort unten blutge Schlacht.
 Oh können nicht, so schwach, der schlaffe Wille lacht,
 Oh wollen nicht, dass ihr dies Sein mir blühen lasst!

 Oh Müdigkeit, die nicht einmal mehr wollen will!
 Ach! alle Kelche leer! Bathyll, jauchzest nicht mehr?
 Ach! alle Kelche, Platten und auch Worte leer!

 Es bleibt ein albern Lied, im Feuer lodert’s still,
 Es bleibt ein hastender Lakai, der sich noch übt,
 Es bleibt ein Überdruss, der leise Dich betrübt.

Übertragen von Artur Abramovych

Anm. d. Hrsg: Langueur, das französische Original des vorliegenden Gedichts, erschien erstmals in Verlaines Gedichtband Sagesse, Paris/Bruxelles (Société Général de librairie catholique) 1881 und gehört in Frankreich zu den berühmtesten Gedichten des Autors. Unter den fünfzehn Gedichten Verlaines, die Stefan George in eigener Übertragung in seine zweibändige Publikation Zeitgenössische Dichter. Umdichtungen (1905) aufnahm, entstammten drei Gedichte dem Band Sagesse, allerdings nicht dieses. Es wurde erst 1922 in der bislang einzigen Übertragung ins Deutsche veröffentlicht, nämlich in der zweibändigen, aber unvollständigen Werkausgabe Verlaines, herausgegeben von Stefan Zweig. Der Autor jener Übertragung unter dem Titel Mattigkeit war Felix Braun.

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