Die Deutschen und die Weißen

Barbarossa. In: Kladderadatsch. Humoristisch-satyrisches Wochenblatt, Berlin 24.1871, S. 281.

Im Grunde wird der Kampf gegen die Weißen, zumindest auf moralischer Ebene (und zu dieser gehört der Vandalismus nun einmal nicht), seit jeher mit nur zwei Waffen geführt: der Shoah und dem Kolonialismus. Mehr kann man derjenigen Rasse, die die universellen Menschenrechte erfunden, der ganzen Welt technischen Fortschritt gebracht und für zumindest leidliche medizinische Versorgung und weitgehende Alphabetisierung weltweit gesorgt hat, kurzum: jener Rasse, die recht eigentlich erst dafür gesorgt hat, dass sich Nichtweiße heute über „Rassismus“ beklagen können, auch kaum vorwerfen.

Da der Kolonialismus allerdings, wie jeder halbwegs unabhängige Historiker bestätigen wird, längst nicht nur Mord und Totschlag nach sich zog, musste dem Eindruck seiner Monstrosität mit einem Genozid nachgeholfen werden, dem nun wirklich keine positiven Seiten abgewonnen werden konnten; und so ward die Vergleichbarkeitsthese geboren.

Die Shoah wird in ihrer Eigenschaft als antiweiße (vulgo: „antirassistische“) Waffe seit einigen Jahrzehnten allerdings zunehmend unbeliebter. In manchen Ländern (natürlich nicht in Deutschland, wo alles Geistige erst mit einigen Jahren Verspätung angelangt) ist sie geradezu out. Denn die Juden, oder zumindest die lebenden Juden, gelten den kunterbunten Feinden der Weißen jeglicher Couleur zunehmend als Kolonisatoren: und damit als weiß. Bisweilen sieht man in ihnen gar die „Speerspitze“ (so bei antiimperialistischen Demos in Bezug auf Israel skandiert) der Weißen. Angesichts der politischen Verhältnisse im einzigen jüdischen Staat der Welt und auch des Hasses der Weißenfeinde auf jedwede geistige Errungenschaft ist diese Entwicklung nicht einmal unverständlich.

So kommt es dazu, dass Post-, Anti- und gar Transkolonialisten immer deutlicher antisemitische Positionen beziehen, wie zuletzt eindrücklich am Falle eines nicht allzu blonden Achilles aus Bimbo bei Kongo offenbar wurde. Achille Mbeme, kamerunischer Philosophiedozent in Südafrika, strengt zwar die Vergleichbarkeitsthese bei jeder sich bietenden Gelegenheit an, um seinen postcolonial body mit der Asche verbrannter Juden einbalsamieren zu dürfen. Allerdings scheint bei ihm zugleich schon eine zweite Vergleichbarkeitsthese auf, nämlich – wer hätte es gedacht? – zwischen den Judenmördern von damals und den heutigen Juden. Das probate Mittel dazu scheint ihm die sowohl ideelle als auch materielle Unterstützung von BDS zu sein, jener Bewegung, die einen völligen, auch kulturellen, Boykott Israels fordert und in L.A. sogar Proteste organisiert, wenn Hollywood Schauspieler mit israelischem Pass anheuert.

Es soll an dieser Stelle allerdings nicht um dieses außerhalb Deutschlands seit Langem hinreichend bekannte Phänomen des nichtweißen Antisemitismus gehen. Denn außer in Deutschland wird es wohl niemanden überraschen, dass Black lives matter sich BDS angeschlossen hat. Stattdessen soll es darum gehen, wie sich jene Weißen, die am Erhalt der eigenen Rasse interessiert sind, zur Wehr setzen. Genauer gesagt: warum sich die infrage kommenden Deutschen anders dagegen zur Wehr setzen als der Rest der Weißen.

Das wohl naheliegendste Argument gegen Mbembes Einlassungen wäre – und es scheinen dies so gut wie alle weißen Völker begriffen zu haben –, die von ihm und anderen aufgestellte Vergleichbarkeitsthese zu attackieren und den Kolonialismus zu rehabilitieren. Die Deutschen allerdings scheinen sich für eine andere Strategie entschieden zu haben.

In der Jungen Freiheit führte Stammautor Thorsten Hinz in Bezug auf die causa Mbembe aus, dass dieser „Konflikt“ die „Holocaust-Hermeneutiker spaltet“, will sagen: dass dieser Fall nur Leute zu interessieren habe, die sich der Interpretation des Holocaust verschrieben hätten. Dazu gehört der stolze Deutsche seines Erachtens recht eigentlich nicht: „Wichtig aber sind ganz andere Fragen.“ Was Hinz im Grunde meint, ist Folgendes: Zwei fremde Rassen, die vom Schuldkomplex der Weißen leben, bekämpfen sich, weil sich alle beide an den vom weißen Selbsthass abfallenden Früchtchen laben wollen; und der Weiße, so Hinz, solle sich raushalten und abwarten, bis sich die beiden gegenseitig zerfleischt hätten. Der sezession-Autor Martin Lichtmesz argumentierte ganz ähnlich, als er auf twitter dazu riet, die causa „differenziert“ zu betrachten, sämtliche „Opferhierarchiestreitigkeiten“ zu vergessen und sich als Weißer in diese Auseinandersetzung lieber nicht einzumischen. Gleichwohl retweetete er sogar „antiimperialistische“ Apologeten Mbembes und gab kund und zu wissen, dass er „die hysterische Dämonisierung von BDS nicht im geringsten nachvollziehen“ könne. Da kam doch seine relative Sympathie für den Farbigen gegenüber dem Juden zum Vorschein, so sehr er sich auch Mühe gab, diese doch eigentlich diskreditierende Sympathie zu verhehlen.

Das ist es also, was einem vermeintlichen Verteidiger weißer Ehre einfällt, wenn die Weißen dazu aufgefordert werden, ein „Menschenrecht auf Mobilität“ anzuerkennen, mithin jeden Fremden, der zu Fuß bei ihnen ankommt, mit offenen Armen zu empfangen. Wichtiger, als die Weißen zu rehabilitieren, erscheint es deutschen Nationalisten, stattdessen das eigene Volk zu rehabilitieren, und zwar wohlgemerkt auf Kosten der übrigen Weißen. Der deutsche Nationalist stellt die Vergleichbarkeitsthese Mbembes und seiner Kumpanen gar nicht infrage; denn sie erscheint ihm als willkommenes Mittel, die Schuld der Deutschen zu minimieren. Seine Losung lautet nicht: Der Kolonialismus war nicht so schlimm wie behauptet! Sondern stattdessen: Seht her, auch die Shoah war nicht so schlimm wie behauptet! Sogar die Neger sagen das, wenn auch nur implizit!

Wir wollen nicht übertreiben und gleich eine spiegelverkehrte Sonderwegsthese aufstellen. Immerhin gab es in der europäischen Geschichte immer wieder einzelne Nationen, die mit den auswärtigen Feinden des Abendlands paktierten, um ihre innereuropäischen Feinde zu schwächen, am prominentesten wohl Frankreich in den Türkenkriegen. Allerdings hat sich Deutschland, dieser zu spät gekommene Weltmacht-Anwärter, mit seinen Ambitionen schon immer in größerem Maße hervorgetan als seine Nachbarn. Endgültig wurde dieses Los der Deutschen 1914 besiegelt. Es wäre zweifelsohne besser für Deutschland und Europa (und für die Juden ohnehin) gewesen, wenn das Reich den Krieg gewonnen hätte, denn der Wilhelminismus, die zweite Phase des zweiten Reiches, war eine jener kurzen Phasen nach 1517, wo die Deutschen sich des Reichsgedankens und des damit verbundenen Sendungsbewusstseins entsannen. Nicht nur haben die Deutschen aber wegen ausbleibenden Erfolgs an der Westfront dafür gesorgt, dass der Bolschewismus in Europa Fuß fassen konnte, mithin die soziale Weltrevolution gegen die Weißen, wie Spengler in den Jahren der Entscheidung sagte. Die Deutschen haben anschließend innerhalb weniger Jahre eine Schuld auf sich geladen, die so groß ist, dass sie ganz Europa diskreditierte und nun von völlig unbeteiligten Auswärtigen als Druckmittel gegen alle Weißen verwendet wird, auch wenn die Shoah einen weitgehend intraeuropäischen Vorgang darstellte und Farbige sich zurückhalten sollten mit Interpretationen desselbigen, der sie recht eigentlich nicht im Geringsten tangiert. Wie kam es zu dieser spezifisch deutschen Disposition?

Deutscher Nationalismus war seit jeher ein Oxymoron. Die Deutschen sind keine Nation im europäischen Sinne, sie sind eine Stammesgemeinschaft, die ihre besten Zeiten erlebte, solange sie sich an den Reichsgedanken hielt, translatio imperii, die Nachfolge des Römischen Reiches, die einen inneren Föderalismus, gar eine innere Souveränität erforderte. Diese Idee ist katholisch, und der Protestantismus, eine zunächst innerdeutsche Angelegenheit, ist recht eigentlich zuallererst ein Protest gegen den urdeutschen Auftrag der Reichsnachfolge. Da die Deutschen ihrem metaphysischen Auftrag gerecht zu werden sich allerdings meistens weigerten und nach wie vor weigern, täten die benachbarten Nationen besser daran, dieser deutschen Pseudonation nach Kräften ihren Einfluss auf die Geschicke Europas zu entziehen, denn fast immer, wenn die Deutschen eine Vormachtstellung erlangten, ging es bergab mit den Weißen. Dies kann man derzeit eindrücklich an der EU studieren. Es geschah aber auch schon früher.

So etwa in der ersten Phase des Zweiten Reichs, dessen Gründung der politische Wendehals Otto von Bismarck gegen den Widerstand der konservativen Preußen und der Katholiken ermöglicht hatte. In diesem Zweiten Reich, bei dem es sich zwar um ein kleindeutsches handelte, das aber nach der Rückgewinnung Elsass-Lothringens laut der routinehaft wiederholten Beteuerung Bismarcks „saturiert“ gewesen sei, – in diesem „Reich“ galt Kolonialismus als Verbrechen. Nietzsche, der Anti-Preuße par excellence, kommentiert denn auch in Nietzsche contra Wagner diese protestantische Pseudohumanität, die sich vor allem gegen Frankreich richtete, mit den Worten: „Ich für meine Person suche den schwarzen Erdtheil, wo man »die Sklaven« befreien sollte, in der Nähe der Norddeutschen…“ Der Grund für diesen deutschen Verzicht auf Kolonialismus war weniger in einem etwaigen tatsächlichen Desinteresse an Kolonien zu suchen, als vielmehr in dem ärgerlichen Umstand, dass der Erbfeind Frankreich und der Cousin England wesentlich erfolgreicher im Hinblick auf die Eroberung von Kolonien gewesen waren.

Es ist kein Zufall, dass die Aufgabe des Kulturkampfes und die verbesserten Beziehungen nach Rom unter Wilhelm II. zeitlich mit der (wenn auch zurückhaltenden) Aufnahme kolonialistischer Bestrebungen zusammenfielen; doch dies war nur die letzte kurze Phase der Rückbesinnung. Danach kam es noch viel schlimmer; und um die ganze Tragweite deutscher Schande zu erfassen, muss man bloß einen Blick auf Hitlers nach wie vor währende Beliebtheit bei ehemals kolonialisierten Völkern werfen, die bisweilen groteske Blüten treibt, etwa einen Laden „Hitler 2“ in Gaza, oder den Vornamen eines Sprosses aus dem kriminellen Abou-Chaker-Clan in Berlin, der „Rommel“ getauft (oder wie auch immer man das bei Moslems nennen mag) wurde.

Hier in Paris sind die Deutschen vor allem bei zwei Typen von Menschen beliebt, und zwar gerade bei denjenigen, die sich darin einig sind, „mit der weißen Welt ein Ende machen“ (Spengler) zu wollen. Da mir beide nicht allzu geheuer sind, neige ich inzwischen dazu, mich nicht als Deutscher zu erkennen zu geben. Einerseits bei weißen Selbsthassern, die in den Deutschen die rigorosesten Vollstrecker des langersehnten und verdienten Selbstmords der Weißen durch EU und UN sehen, mithin den Vertretern des Klassenkampfes; und andererseits bei den Farbigen, also den Vertretern des Rassenkampfes. Der Lobgesang auf jenes Volk, das die Rassenschande in sein Strafgesetzbuch aufnahm, erklingt damals wie heute in Kreolsprache.

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