»Nie wieder Deutschland! – Es lebe Deutschland!«

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Der Leser wird sich fragen, weshalb der Titel eine Parole enthält, welche im Zuge der Wiedervereinigung 1990 auf der äußersten Linken in Deutschland geprägt wurde. Die Linke in der DDR wie in der BRD war bitterlich enttäuscht: der Traum vom Sozialismus auf deutschem Boden schien ausgeträumt, das „bessere Deutschland“, das „antifaschistische“, bestand nicht mehr. Der „Antifaschismus“ wurde „antideutsch“: das neue Deutschland mußte als Wiedergänger des „Dritten Reiches“ dargestellt werden. Übergriffe gegen Menschen mit Migrationshintergrund in den frühen 90ern waren geeigneter Sand auf diese Mühle. Der „Multikulturalismus“ gewann auf der Linken an Boden.

Zugleich aber, wie Erik von Kuehnelt-Leddihn 1995 richtig bemerkte, war die Linke ihre Hypothek des Realsozialismus, auf dessen Mißstände Nichtsozialisten hatten verweisen können, los geworden, es ergaben sich neue Chancen. Auch Feminismus, Antifamilismus, „Pro Choice“, „sexuelle Revolution“ – bis hin zum späteren Genderismus – wurden noch stärker als zuvor ins Feld geführt. Kuehnelt äußerte, die Linke wolle nicht mehr den Arbeiter als neuen Fabriksherren, sondern die „Verschweinung der Völker“. Mir scheint dies insbesondere auf die innerlich zerrissene Linke in Deutschland zuzutreffen.

Ein Volk, das sich für den Sozialismus als untauglich erwiesen hat, ist ihr nichts mehr wert, es muß zerstört werden – durch Familienspaltung, Geschlechterverwirrung, Deindustrialisierung, auch Naturzerstörung (nunmehr im Namen des Klimaschutzes) und Massenzuwanderung sowie durch Verachtung jeglicher guter Überlieferung. Auschwitz muß als logischer Schlußpunkt einer unheilvollen deutschen Geschichte gelten.

War die deutsche Linke einst nationalistisch durch und durch gewesen – von der frühen Burschenschaft bis zum Goebbels- und Strasser-Flügel der NSDAP – so wurde sie nun endgültig antinational, aber auch vollends antivaterländisch. Und doch ist auch diese Entwicklung eine sehr eigensinnige, deutsche – wie auch die deutsche Ausformung der Klimaideologie als erneut größenwahnsinnig und gar übergriffig und imperialistisch erscheinen muß.

So ist hier abermals etwas sichtbar, was auch Dieter Stein in seinem Leitartikel in der „Jungen Freiheit“ zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung beschreibt: das Pendeln zwischen den Extremen.

Auch recht hat Stein, wenn er bemerkt, daß die beiden mörderischen Ideologien, welche im 20. Jahrhundert beherrschend waren, der Nationalsozialismus, aber eben auch der Marxismus, deutschem Boden entsprungen waren.

Was er leider nicht erwähnt, ist, daß der Vorläufer beider Richtungen, der Jakobinismus, ebenso wie der moderne Massenmord und Terror aus dem vormals absolutistisch-zentralistischen Frankreich stammte. Die Französische Revolution, eigentlich ein von aus der Art geschlagenen Adligen, Klerikern und Intellektuellen angefachter brutaler Massenaufstand, war antichristlich, antitraditional, nationalistisch, sozialistisch und imperialistisch. Zu oft wird sie aber bei einer Betrachtung der modernen Katastrophen unbeachtet gelassen oder unterschätzt.

Auf gewisse Weise setzt der jakobinische Nationalismus, der sich auch gegen Minderheiten richtete, das vormalige Nationalkirchentum fort, das laut dem Zentrumsmitgründer August Reichensperger (1808 – 1895) eine Folge der sogenannten „Renaissance“ ist – auch wenn man oft genug allein die Reformation als ursächlich dafür ansieht, die aber ja auch eine dialektische Reaktion auf die Renaissance darstellt.

Diese aber ist für Reichensperger ein Einbruch einer vermeintlichen Wiederbelebung der Antike, welche zu seinem Bedauern neben den romanischen Ländern auch die germanischen, eben auch deutsche Lande, erfaßt hatte. Mit ihr, so Reichensperger, wurde das römische Recht, das schon zuvor im „Mittelalter“ wieder eine gewisse Stärkung erfahren hatte, und das übrigens von Reichenspergers Zeitgenossen Alexis de Tocqueville als ein knechtisches Recht, im Unterschied zum germanischen, bezeichnet wurde, durchaus wieder maßgeblich.

So wurde das christlich-germanische Mittelalter beendet, seine Freiheiten vertauscht mit Cäsarismus und Absolutismus. Daß die Reformation hierbei auch ihre Rolle spielt, steht dabei indes für mich außer Zweifel.

Und nun die Erklärung für den Titel dieser Betrachtungen: ich unterscheide zweierlei Deutschland: eines, das leben, und eines, das sterben soll, ja muß.

„Nie wieder Deutschland“ – das beziehe ich auf dasjenige Deutschland, welches sich auf den Abweg der Nachahmung einer vermeintlich wiederzubelebenden Antike und des Cäsarismus und Absolutismus, unter Verkennung, daß Gott der oberste Gesetzgeber ist, dem auch der mächtigste irdische Herrscher untersteht, begeben hat. Es ist letztlich dasselbe Deutschland, das auf einem Parallelwege die reformatorische Möglichkeit wählte.

Die Spätfolgen sehe ich in der verhängnisvollen Entwicklung der Deutschen Frage im 19. Jahrhundert hin zu einer preußisch-kleindeutschen Antwort. Bismarck verfolgte die Katholische Kirche, was Dieter Stein im genannten Leitartikel bei seinem Lob für Bismarck allerdings ebenso unerwähnt läßt wie die genannte Deutsche Frage in der damaligen Gestalt.
Es liest sich, als gebe es ein Österreich ebensowenig wie eine nennenswerte deutsche Geschichte vor Luther.

Grotesk wird es meines Erachtens, wenn Stein behauptet, der starke Föderalismus der BRD gehe auf Bismarck und 1871 zurück – ein „Reich“, dessen maßgeblicher Gliedstaat weitaus mehr als die Hälfte des Gesamtgebiets einnimmt, kann wohl hierfür kaum Pate stehen.

Der Föderalismus ist eine im christlichen wie auch im germanischen Wesen wurzelnde Erscheinung des „Mittelalters“. So schreibt Reichensperger in „Deutschlands nächste Aufgaben“, daß Zentralisation dem „wälschen“, also romanischen Boden entstamme, germanisch hingegen sei das Individuelle. Es ist nicht der Platz, auf all dies genauestens einzugehen. Ich empfehle dem geneigten Leser, auf die im Netz vollständig und kostenfrei verfügbaren Digitalisate zurückzugreifen. In einer anderen Schrift meinte Reichensperger, wir seien zu Affen Frankreichs geworden – eben in genannter Hinsicht einer Übernahme zentralistischer, absolutistischer usf. Formen.

Die von deutschem Boden ausgehenden Ideologien, ebenso wie der schuldhafte Anteil an zwei verheerenden Weltkriegen sowie der natsoz. Massenmord – sie sind in meinen Augen dialektische Spätfolgen der grob nachgezeichneten Entwicklung. Doch sie sind nicht logisch aus der deutschen Geschichte erwachsen noch wesenhaft deutsch, abgesehen allerdings davon, daß das deutsche Wesen zur Übertreibung, zum genannten Pendeln und eben auch zur Selbstaufgabe, Zerrissenheit und Andienung an Fremdes bisweilen neigt, womit sich all jenes teilweise nachvollziehbar erklären ließe.

Ja, dieses Deutschland muß sterben, damit wir leben können.

Aber wir können nicht ohne Heimat, Bindung, Geschichte, Glaube leben, wie es die Linke und insbesondere auch die deutsche Linke verschiedener Prägung uns weismachen will.

Es gibt ein Deutschland, das lebenswert ist, und es ist in meinen Augen das wahre Deutschland, jenes der – durchaus germanischstämmigen, zunächst im damals sehr wohl germanisierten Norden Frankreichs (also des Franken-Reichs!) entstanden – „gotischen“ (eine abwertende Begriffsschöpfung von Renaissance-Befürwortern) Dome, das im Spätmittelalter und von da an immer mehr seines Odems beraubt ward und ihn schließlich im 19. und 20. Jh. in Feuer und Blut und nicht immer ohne Lächerlichkeit auszuhauchen schien –

wenn noch Odem da ist, beatmen wir diesen geschundenen deutschen Leib.

Die „deutsche Sendung“ ist das „Reich“ – das wahre „Reich“ (und Kuehnelt wies 1989 nicht von ungefähr darauf hin, daß dieses Wort germanisch und nicht lateinisch sei und sich aber in dieser Form auch in romanischen Sprachen finde), nicht die Parodie von 1871 oder gar 1933 – nicht der demokratische, moderne Nationalstaat, und ebensowenig ein zentralistisches Brüssel-Europa oder eine vermeintlich bunte, in Wirklichkeit graue globalistische Welt.

Es lebe Deutschland!

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