Wer zum Teufel ist Helge David?

Foto: Punch Magazine // Holger W.

Sittengemälde eines gewöhnlichen Deutschen

Helge und David. Der feuchte Norden und die judäische Wüste, die Nordsee und das Tote Meer, die Edda und der TaNaCh.

Was hier folgen soll, ist nicht etwa die Geschichte einer herzerwärmenden Freundschaft zweier Buben im Deutschland der Dreißiger. Es geht nur um einen Einzelnen, der beide Namen trägt. Es ist die Geschichte einer zerrissenen Persönlichkeit, die unangekündigt zu einer Mitgliederversammlung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bamberg in der dortigen Jüdischen Gemeinde erschien und niemandem die Hand reichen wollte (obwohl das Neue Coronavirus damals noch ganz auf Wuhan beschränkt war). Einer Persönlichkeit, die sich nicht vorstellen wollte und stattdessen kundtat, dass die Deutsch-Israelische GesellschaftBamberg gar keine ordentliche Versammlung durchzuführen befugt sei, weil der Einladung zur Versammlung keine vorläufige Tagesordnung angehängt worden sei. Einer Persönlichkeit, die schließlich aber doch gezwungen war, sich vorzustellen, als der Gemeindevorsitzende, der Gastgeber also, eine Vorstellungsrunde erzwang. Und da erfuhren wir endlich: dass diese Persönlichkeit der stellvertretendeVorsitzende der DIG Köln, außerdem Bundesvorstandsmitglied und Regionalbeauftragter für Bayern sei.

Man könnte meinen, dass diese so sehr auf die Einhaltung des Vereinsrechts bedachte, mit verschränkten Armen und wunderlich tief herabhängenden Mundwinkeln vor Kopf sitzende Persönlichkeit ganz ohne Zweifel ein Deutscher sein müsse. Denn wer sonst würde es in Kauf nehmen, sich mehrere hundert Kilometer quer durch die Republik schleppen zu müssen, mit dem einzigen Ziel, arglosen Vereinsmitgliedern mit Satzungsfragen an den Karren zu fahren? Aber so einfach ist es dann doch nicht bestellt um diese Persönlichkeit, und das führt unweigerlich zur berechtigten Frage: Wer zum Teufel ist dieser Helge David Gilberg? Zuvor allerdings sollte noch geklärt werden, was überhaupt die Deutsch-Israelische Gesellschaft ist.

Die DIG ist eine jener gesellschaftlich zur Gänze anerkannten und staatlicherseits (in diesem Fall: vom Auswärtigen Amt) geförderten Organisationen, deren Vorstände sich aus verdienten Honoratioren rekrutieren, die zumindest mal ein Mandat im Bundestag errungen haben (und zwar natürlich über Listen der sogenannt demokratischen Parteien), und bei deren Neujahrsempfängen sich die gesamte haute volée versammelt einschließlich solcher Leute, die bei der Deutsch-Arabischen Gesellschaft besser aufgehoben wären, etwa des israelischen Botschafters in Deutschland, Jeremy Issacharoff.

Zugleich ist die DIG aber einer jener im besten Deutschland, das es je gab, zunehmend rarer werdenden Vereine, bei denen auch unliebsame Themen zur Sprache kommen, der beinahe verdrängte Linksterrorismus der 70er Jahre, die heutige linke Delegitmierungskampagne gegen Israel, die Vertreibung der orientalischen Juden aus ihren Heimatländern infolge der Dekolonisierung oder auch der massenhaft importierte islamische Judenhass. Die DIG kritisiert die Dämonisierung der jüdischen Siedler in Judäa und Samaria, beanstandet das deutsche Abstimmungsverhalten in der UN und fordert ein Verbot von BDS und Hizbollah in Deutschland. Es sind bei der DIG noch Redner erwünscht, die andernorts längst unter Faschismusverdacht geraten, in der israelischen Botschaft nicht mehr willkommen sind und sich Auftritte etwa bei der Friedrich-Ebert-Stiftung längst abschminken können, Eldad Beck oder Chaim Noll zum Beispiel oder inzwischen auch Tuvia Tenenbom.

Das ist der Grund, aus dem sich auch einige Leute in der DIG finden, die durchaus nicht zu dieser haute volée zählen, und aus dem zum Beispiel die DIG Bamberg einen Vorsitzenden hat, der sich zugleich in der AfD engagiert. Und dies hinwiederum ist mit größter Wahrscheinlichkeit der Grund dafür, dass ein gewisser Rheinländer im Bundesvorstand der DIG unbedingt Regionalbeauftragter für Bayern hat werden wollen.

Das frischgebackene Bundesvorstandsmitglied Helge Gilberg, das bei jüdischen Anlässen gerne seinen zweiten Vornamen David nennt, ist einer von jenen aus der Geschichte gelernt Habenden, die nicht damit einverstanden sind, dass das Ansehen der DIG befleckt wird von solchen Individuen wie den in Bamberg ihr Unwesen treibenden. Wenn man Helge David googelt, erfährt man auch, warum es sich so verhält.

Auf instagram stellt er sich vor als „Sozialdemokrat 1 FC Köln Fan Jude Schwul“. Also „Schwuso“, wie die Lokalpresse schreibt. Und diese Attribute beschreiben ihn schon beinahe hinlänglich. Allenfalls ließe sich noch erwähnen, dass es sich bei ihm darüber hinaus um den „ersten offen schwulen Bellejecken“ handelt. Als solchen pries ihn eine Kölner Regionalzeitung ihren Lesern an.

Ein anderer account, der noch mehr Aufschluss über ihn gibt, findet sich auf twitter. Abgesehen davon, dass er seine nicht allzu zahlreichen follower an beinahe jedem zweiten Morgen mit „Moin Boker Tov“ (da haben wir es schon wieder: Nordsee und Totes Meer, Helge und David) begrüßt, äußert er sich auch gerne zum aktuellen Tagesgeschehen, insbesondere zur AfD.

Er schrieb etwa, allzu unmittelbar nach der letzten Bürgerschaftswahl in Hamburg, bei der der AfD entgegen den ersten Hochrechnungen des Öffentlich-rechtlichen doch noch der Wiedereinzug gelang: „Danke mein Hamburg, Nazis raus alles richtig gemacht“. Unter den sieben inkriminierten „Nazis“, die allzubald nach diesem tweet doch noch in die Hamburger Bürgerschaft einzogen, obschon Sawsan Chebli und Helge David eine interreligiöse Front gegen diese Unverschämtheit gebildet hatten, finden sich übrigens zwei Mitglieder der DIG. Und einer von ihnen hat in Ramat Gan studiert und spricht vermutlich ein wesentlich besseres Hebräisch als Helge David, bei dem es nur für „Boker Tov“ hinzureichen scheint.

Trotz seiner dürftigen Hebräschkenntnisse macht sich Helge David allerdings große Sorgen um das Ansehen der Juden bei den Völkern (das ist er seinem zweiten Vornamen schuldig) und hat die Saboteure in den eigenen Reihen bereits unfehlbar identifiziert. Über die FDP-nahe Anti-BDS-Aktivistin Malca Goldstein-Wolf befindet er: „Diese Frau ist eine Schande für die Jüdische Gemeinde in Deutschland ! […] Diese Frau ist einfach nur widerlich. Lügen rechts und eine selten dämliche Kuh! Ja so ist das halt man kann zwar mit braunen spielen aber irgendwann stinkt man dann nach Scheiße“. Austeilen kann er also. Vielleicht ist er doch ein erfrischend diskussionsfreudiger Jude?

Mit dem Einstecken verhält es sich allerdings anders. Denn sobald man Helge David darauf anspricht, nach welcher „Scheiße“ er selbst stinkt, versteht er gar keinen Spaß mehr: „Da hauen doch andauernd ein paar Menschen auf die spd ein wegen ihrer angeblichen nicht klaren Haltung zu Israel. Bezeichnen führende Mitglieder als Antisemiten! Wen [sic!] man keine Ahnung hat einfach mal den Mund halten besser als lügen zu verbreiten!“ Leider scheint ihm seine Apologie der Steinmeiers, Schulzens und Gabriels und sämtlicher anderer Apologeten des Iran zu keiner allzu nennenswerten Karriere verholfen zu haben, denn er ist bloß Vorstandsmitglied eines kleinen Ortsverbandes innerhalb der SPD Köln geworden. Vielleicht sind in der SPD tatsächlich noch rudimentäre Kenntnisse der deutschen Orthographie gefragt, sobald man einen weniger subalternen Posten anstrebt. Allerdings ist letzteres angesichts der Bildungspolitik, die unsere Genossen betreiben, nicht allzu wahrscheinlich.

Ebenso wenig wie Orthographie scheint Helge David Sachkenntnis zu interessieren. Einen tweet, in dem Jörg Meuthen vor einer kommenden, durch das Neue Coronavirus hervorgerufenen Wirtschaftskrise warnt, kommentiert Helge David wie folgt: „Ihr Drecks Nazis ihr gehört verboten. Er spaltet die Gesellschaft anstelle der Gesellschaft zu zeigen wie man solidarisch miteinander umgeht.“

Offenbar kann die AfD machen, was sie will; Helge David wird immer zur Stelle sein, um 1. ihre Vertreter als Nazis zu beschimpfen und 2. ihr Verbot einzufordern. Er lässt sich nämlich nicht einschüchtern und wird weiterhin streiten für die demokratische Sache. Was er darunter übrigens versteht, lässt sich anhand eines weiteren tweets erkennen, in dem er zur Abwechslung nicht von Nazis, sondern von Faschisten spricht: „Ich frage mich manchmal wirklich was in den Hirnen der Faschisten von der AfD vor sich geht! Gegen die Pläne des Parlaments zu agieren ist hirnrissig und doof. Deswegen ist das keine Alternative für Deutschland sondern alles für dumme. Faschisten bleiben Faschisten“. Da stellt sich doch die berechtigte Frage, ob nur die parlamentarische Mehrheit das Parlament ausmacht und ob man automatisch zum „Faschisten“ gerät, sobald man anders abstimmt als diese Mehrheit; wer so denkt (sofern sich das überhaupt als Denken bezeichnen lässt), ist zweifellos ein Deutscher, denn in keinem anderen Volk gelten Meinungsverschiedenheiten als derart unstatthaft.

Es scheint also bedauerlicherweise in jenem Kampf, der in Helge Davids Innerem tobt, Helge doch den Sieg über David davongetragen zu haben. Zerbrochen die Zwille, siegreich der Philister (heute sagt man: „Palästinenser“). Und der Schaden ist offenbar irreparabel. Nachdem sie, noch im Frühjahr, einen Termin für eine weitere Mitgliederversammlung anberaumt hatte, hielt es die DIG Bamberg für geboten, versöhnlichere Töne anzustimmen, und postete auf facebook einen Artikel über die Anfeindungen, die Helge David über sich ergehen lassen muss, seit er öffentlich „Haltung zeigt“, mit dem Kommentar: „Helge Gilberg ist auch Mitglied der DIG. Politische, auch polemische, Debatte gehört zur offenen Gesellschaft. Aber Gewaltdrohungen, gleich ob sie von rechtsaußen, linksaußen oder aus der islamistischen Ecke kommen, muss entschieden entgegengetreten werden.“ Helge David jedoch, der nicht nur instagram und twitter, sondern auch facebook nutzt, um gegen rechts zu kämpfen, kommentierte darunter: „Stelle hiermit klar und deutlich fest dass ich weder polemisch geredet habe, noch mich zu islamistischen Gewalttaten geäußert habe und somit dieser Post nicht von mir autorisiert ist.“

Offenbar scheint Helge David nicht nur zu glauben, dass man alles von ihm autorisieren lassen müsse, worin seine nicht allzu kohäsiven Namen fallen (Anm. d. Hrsg.: Für vorliegenden Text steht die Autorisierung bislang aus.) Er scheint darüber hinaus auch Versöhnungsangebote, die an ihn herangetragen werden, nicht etwa aus bloßer Rachsucht (das wäre vielleicht sogar eher jüdisch), sondern schon aus Mangel an Intellekt grundsätzlich auszuschlagen, weil er sie schlichtweg nicht begreift.

Eines aber hat Helge David deutlich begriffen: dass es noch immer Menschen gibt, die die Frechheit besitzen, die DIG in den omnipräsenten „Kampf gegen rechts“ nicht einspannen zu wollen. Doch sie mögen sich in Acht nehmen: denn es wird Helge David sie alle noch als Nazis identifizieren, ihr Verbot einfordern und sie schließlich über die sozialen Medien zur Strecke bringen.

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3 Kommentare

  1. Was für ein erbärmlicher Versuch, durch persönliche und tief unter die Gürtellinie gehende Diskreditierung die rechtsradikale AfD mit ihren antisemitischen Eskapaden als Bastion des Kampfes für die Juden darzustellen, gleichzeitig aber auch in die Opferrolle zu drängen und überdies die ehrenwerte DIG für rechtspopulistische Parolen übelster Art zu instrumentalisieren und zu beschmutzen. Chapeau – ein Elaborat, das wohl selbst den greisen und längst auf die dunkle Seite gewechselten Broder anekeln würde. Und das will schon etwas heißen.

  2. Ich möchte gerne ergänzen:
    Helge David ist mitnichten Sozialdemokrat, zumindest nicht Mitglied der SPD. Dort wurde er rausgeworfen, nachdem bekannt wurde, dass er dort hohe Geldschulden hat. Auch ansonsten scheint er sein Umfeld häufig zu täuschen! So erzählt er seit einigen Jahren von einem Überfall auf auf sich selbst, von welchem die Polizei allerdings nichts weiß…
    Weiterhin bat er einen Anfang 20 Jährigem mit dem er regelmäßig schläft darum ihm Geld zu leihen welches er nicht erstatten konnte! Ich empfehle Vorsicht im Umgang mit ihm!

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