Große Chance in Zeiten des kleinen Risikos

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In den letzten 200 Jahren zogen unfassbare Menschenmengen nach Amerika, mit dem Ziel einer besseren Zukunft für sich und ihre Nachfahren. Dabei ließen sie ein erträgliches Leben hinter sich, um eine ungewisse Chance zu ergreifen. Vielen gelang es nicht, doch heute sind die Vereinigten Staaten aus gutem Grund die größte Macht der westlichen Welt, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Ihr Erfolg verdankt sich dem ›American Dream‹, der Risikobereitschaft und dem damit einhergehenden Freiheitsgefühl eines Großteils ihrer Bevölkerung. Diese beiden kulturellen Grundsteine stehen zwar verglichen mit europäischen Nationen noch felsenfest. Doch sie kommen allmählich ins Wanken und Grund dafür ist die Risikoaversion, die in den Köpfen der westlichen Völker Gestalt annimmt.

Die Überreaktion unserer Gesellschaft auf eine virale Bedrohung, die im Vergleich mit anderen Pandemien den Namen kaum verdient, ist nicht zuletzt auf eine Wohlstandsträgheit zurückzuführen, die uns dazu drängt, den Status quo zu verteidigen. Leider fehlt zugleich jegliches Bewusstsein für die Umstände, unter denen wir unseren Reichtum erlangten, nämlich durch das kalkulierte Eingehen von Risiken. Ein gewisses Maß an Vorsicht ist nötig, um zu überleben, doch die Lebensqualität lässt sich nur bei wirtschaftlichem Wachstum aufrechterhalten, denn sie ist eine Hypothek auf die Zukunft.

Wenn wir annehmen, dass sich mindestens 80% der gesundheitlichen Schäden von Covid-19 durch 20% der aktuell getroffenen politischen Maßnahmen vermeiden ließen, müssen die restlichen Regierungsentscheidungen intensiv verhandelt werden. Dass es nicht einmal Konsens ist, dass ein Nullrisiko unerreichbar bleiben wird – wie sich an #NoCovid zeigt, – ist daher besorgniserregend. Die Risikominimierung gilt als Rechtfertigung für nahezu jeden Eingriff in die Freiheit der Bürger, die sich noch immer nicht im Klaren darüber zu sein scheinen, dass von ihr aller Wohlstand, ja selbst die eigene Gesundheit, zuallererst ausgeht.

So werden wir womöglich die Lebensspanne einiger älterer Menschen marginal verlängern, ein nicht zu unterschätzender Gewinn! Doch ob die nächsten Generationen eine ähnliche Lebenserwartung in einem wirtschaftlich ruinierten Land aufweisen können werden, lässt sich anzweifeln. Und dass die angstgesteuerte Abgabe jeglicher Eigenverantwortung an den Regierungsapparat sowie der wirtschaftliche Stillstand vieler Branchen bei gleichzeitig eklatanter Inflation, angetrieben durch die Europäische Zentralbank, sich in einem jahrzehntelangen Einbruch der Lebensqualität niederschlagen wird – nun, das stellt gewiss ein größeres Risiko dar, als die Letalität des Virus für die meisten Altersgruppen.

Doch dieser Wandel des wirtschaftlichen und politischen Systems wird ja von einigen Gruppierungen hierzulande bewusst angestrebt. Diese fordern eine Garantie des Minimalwohlstands für jeden und nehmen in Kauf, dass die Optimierung des individuellen Wohlstands in der direkten Konsequenz zur Unmöglichkeit wird. Die Inflation bzw. Umverteilung ist wie der Tod ein großer Gleichmacher, denn danach sind alle gleich reich, so der Gedanke. Tatsächlich sind anschließend fast alle gleich arm, während diejenigen, die den Kapitalismus verstehen, rechtzeitig investiert haben, um effektiv zum Nutznießer der Maßnahmen zu werden.

Das Ressentiment gegen die Reichen wird der Untergang der Sozialisten sein, wenn sie nicht durch Zwangsmaßnahmen die Oberhand gewinnen können, und daher ist heutzutage die politische Linke die freiheitsfeindlichere Seite des Spektrums. Sie ist es, die eine Schließung aller Schulen, Geschäfte und Grenzen fordert, nun mit einem (im wahrsten Sinne) ›Totschlagargument‹ ausgerüstet: »Wenn ihr nicht tut, was wir wollen, seid ihrer Mörder.«

Doch wer Chancen sucht, lohnenswerte Risiken, der hat in dieser Zeit auch die Gelegenheit mehr denn je, von dem Mangel an Risikobereitschaft zu profitieren. Denn die menschliche Natur zu durchschauen, soziale Arbitrage zu erkennen und darauf zu setzen, dass sich alles wiederholt, zahlt sich aus, wenn die Meisten sich noch in Schockstarre befinden. Die steigenden Preise für Rohstoffe, Kryptowährungen und Grundstücke sind nur ein erstes Zeichen für den Wohlstandstransfer, der sich in Bewegung gesetzt hat. Bill Gates hat sich kürzlich sehr viel Land gekauft. Er wird sicherlich nicht ruiniert sein, wenn das hier vorbei ist. Und Sie?

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