Dr. Malone und die Massenpsychose

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Unmittelbar nach seiner Sperrung auf Twitter, ist Dr. Robert Malone in Joe Rogans Podcast zu Gast. Dort spricht er verschiedenste Themen an, von komplizierter Biogenetik über Sozialpsychologie bis hin zur Politik. Seine Aussage, die Reaktion der westlichen Gesellschaften auf Covid-19 sei nur als Massenpsychose zu erklären, legt vorübergehend die Google-Suchergebnisse für »mass formation psychosis« lahm. Millionen Menschen weltweit beschäftigen sich nun mit dieser These. Grund genug, sie auf dem Philosophie Journal anzusprechen. Doch wir sollten weiter ausholen.

Wer ist Dr. Malone?

Auch, wenn die breite Öffentlichkeit ihn bloß als Kritiker der Corona-Politik kennt, ist Dr. Robert Malone ein reputierter Virologe aus den USA. Vor rund 35 Jahren schrieb er bereits wissenschaftliche Studien, die heute als Grundlage für die Entwicklung der mRNA-Technologie in Impfstoffen gelten. Es ist also kurios, dass ein amerikanisches Nachrichtenmagazin ihn im Rahmen der Berichterstattung über sein jüngstes Interview als ›anti-vaxxer‹ bezeichnet, also als Impfgegner.

Nein, Malone ist gewiss kein Impfgegner im allgemeinen Sinne, jedoch sehr wohl ein scharfer Kritiker der Massenanwendung am Menschen unter politischem Druck. Er selbst habe die Impfung erhalten, berichtet er. Allerdings seien anschließend Nebenwirkungen aufgetreten, die nicht zu unterschätzen seien. Doch davon soll es hier nicht handeln.

Die Worte eines einzelnen Mannes, so umfangreich seine Arbeit und sein Ansehen sein mögen, ist vermutlich keine ausreichende Quelle, um die Fehler der Politik objektiv zu belegen. Doch sie vermögen es, eine kritische Bewegung mit argumentativer Munition und prominenter Unterstützung zu versorgen.

Die Massenpsychose des Westens

Die politischen Entscheidungen und die öffentliche Wahrnehmung seit Beginn der Pandemie seien psychotisch, so Malone. Es handele sich um eine wahre Massenpsychose, ähnlich wie sie in Deutschland die Zeit der Nazis eingeläutet habe. »Sehr gebildete Leute« habe man damals verleiten können, die grausamsten Taten zu rechtfertigen. Allein aus einer kollektiven Angst heraus.

Nun ist Malone gewiss kein Historiker oder Psychologe. Doch kann man gewisse Parallelen in massenpsychologisch bedingtem Verhalten gewiss nicht leugnen. Eine empfundene Bedrohung sollte Einschränkungen der Freiheit rechtfertigen. Ein Feindbild wurde geschaffen. Die demokratischen Prozesse wurden ›verkürzt‹ und schließlich abgeschafft. Diese Beschreibung gilt für Deutschland im Jahre 1933 wie 2021.

Allerdings ist die Diagnose mit Vorsicht zu genießen, denn die Pathologisierung der Mehrheit ist natürlich auch ungemein bequem. Immer wenn die Mehrheit sich auf irgendeine Weise einheitlich verhält, könnte die ›Massenpsychose‹ ausgerufen werden. In diesem Kontext ist es wichtig, den Unterschied deutlich zu machen, der zwischen einem vernünftigen und einem wahnhaften Kollektiv besteht. Ich sehe diesen in der Qualität der Einschätzung eines Problems durch das Volk und in der Effektivität seiner daraus resultierenden Reaktion.

Haben wir uns verschätzt, was die Gefahr durch das Virus anbelangt? Vermutlich. Die anfänglich berechnete Todesrate, »mehr als zwanzig mal so tödlich wie eine Grippe«, ist mit Zunahme der Datenlage pausenlos gesunken. Nun nähert sie sich einer Grippe an. Die Langzeitfolgen »long covid« wurden erst als häufige, bleibende Hirnschäden gehandelt, mittlerweile sind sie von den Folgen eines Lockdowns nicht mehr zu unterscheiden (»Müdigkeit, Abgeschlagenheit, …«).

Können wir in den zwei Jahren Pandemie auf irgendwelche Maßnahmen verweisen, die effektiv waren? Nicht, wenn wir den Verlauf der Pandemie mit anderen Ländern vergleichen, die diese Maßnahmen nicht getroffen haben. Nicht unter Ausschluss gehöriger Zweifel. Können wir aber auf Maßnahmen verweisen, die erwiesen wirkungslos waren? Ja, zweifellos! Das fängt mit den Stoffmasken an und hört mit den Infektionen trotz Impfung noch lange nicht auf.

Wir erfahren die strengsten und umfangreichsten Freiheitsbeschränkungen seit Gründung der Bundesrepublik. Und trotz aller Maßnahmen bleibt die Botschaft stets: »Es ist schlimmer denn je.« Nun, da eine Mehrheit weitere Maßnahmen verlangt, seine Freiheiten gar nicht schnell genug aufgeben kann, ist die Frage erlaubt. Was hat all das noch mit Vernunft zu tun?

Zum Interview mit Dr. Malone geht es hier.

Till Nordbruch
Herausgeber des Philosophie Journals

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