Politische Philosophie

Defensive Synchronisierungen des Schwarmverstands

Betrachtet man die zunehmende Synchronisierung der westlichen Kultur, die sich parallel in den Lagern des erstarkenden Konservatismus und des noch hegemonialen Progressivismus einfindet, so fühlt man sich an zwei Sardinenschwärme erinnert, die sich gegenseitig als Hai bezeichnen.

Akzelerationismus und die Vierte Wende

In ihrem Buch The Fourth Turning von 1997 beschreiben die Autoren William Strauss und Neil Howe eine zyklische Theorie der amerikanischen Geschichte. Sie stellen Überlegungen an, dass die verschiedenen Generationen, die einander in gesellschaftlicher Dominanz ablösen, in vier Phasen wiederholt auftreten. Diese nennen sie Höhepunkt, Erwachen, Auflösung und Krise.

Mittelschicht tot – wen bringen wir heute um?

Europas Zenit ist überschritten. Frühe Vorzeichen gaben die unerhörten Warner, die Apokalyptiker und Skeptiker, die man als Hintergrundrauschen ausblenden konnte. Erste Bedenken wurden hintenangestellt: Zuvor müsse man die Pandemie überwinden, dann werde die Wirtschaft schon noch gerettet werden. „Inflation gibt es nicht, ist vorübergehend, ist gut.“ Nun hängt der Westen über dem Abgrund in der Schwebe für ein letztes Selfie – zu spät.

Es ist Krieg – und alle wollen hin.

An manchen Tagen geziemt es sich, einen Augenblick innezuhalten und die jüngsten Ereignisse auf sich wirken zu lassen. Der Tag, an dem Russland die Ukraine militärisch attackierte, war ein solcher Tag. Es ist unmöglich,...

›Nudging‹ – freie Wahl der Zwänge

Freiheit ist es nicht etwa schon, dass man nicht zu einer exakten Entscheidung direkt gezwungen wird. Das sogenannte ›Nudging‹, die verhaltensökonomische Manipulation durch Anreize und Abschreckungen, wird mittlerweile inflationär gebraucht. Es ist unehrlich, zu behaupten, dass ein Mensch genauso glücklich ist, wenn er nach gründlichem Abwägen das kleinere Übel wählt, wie wenn er kraft seines Willens Erfolg hat.

Deutsche Philosophen – nur tot erhört

Im 21. Jahrhundert befinden die westlichen Geisteswissenschaften sich in einer seltenen Form der Krise. Die Stagnation der Debattenkultur und die von oben herab installierte politische Korrektheit erzeugen ein lähmendes Klima der Angst und Meinungsscheue. Studenten bilden sich nicht mehr zu eigenständigen Denkern aus, sondern sind ›verlängerte‹ Schüler. Deutsche Philosophen finden entweder kein Gehör oder dienen der Reproduktion des Konsenses.

›Gewissensfrage‹ – das Ende der Realpolitik

Ein häufig übersehener Trend, der sich in der Politik des 21. Jahrhunderts abzeichnet, ist die Verlagerung ihrer Verdienste ins wenigstens zeitliche Jenseits. Auf der Seite der extremen Realpolitik hat man den Fürsten Machiavellis, der Moral bei politischen Entscheidungen nicht einmal in Erwägung zieht, sondern gänzlich um die Resultate bedacht ist. Doch in westlichen Demokratien bewegen wir uns in die entgegengesetzte Richtung.

Deutscher Ethikrat: Gütesiegel auf Geheiß

Der Deutsche Ethikrat muss als selektiv eingesetztes Instrument zur öffentlichen Meinungsmache betrachtet werden. Auf intrinsischen Wert und zeitlose Gültigkeit kann er sich jedenfalls nicht berufen. Unabhängig kann eine ethische Stellungnahme ohnehin nicht sein, wenn sie mit der Intention der politischen Beratung formuliert wird. Doch auch sachverständig scheint der Rat nicht zu sein, wenn die Sache sich nicht ändert, aber die Meinung eben doch.

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